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Temperaturüberwachung im Pharmalager: Ein umfassender Leitfaden

 

Temperatur & Arzneimittel

Unter dem Begriff «Arzneimittel» werden alle Arten von Materialien und Produkten zusammengefasst, wie beispielsweise Arzneimittel, Medikamente, Biopharmazeutika, Wirkstoffe (API), Forschungsmaterialien, menschliche Körperproben oder sogar Medizinprodukte. Gemeinsam ist ihnen, dass sich ihre Eigenschaften – und damit ihre Qualität – mit der Temperatur verändern, beispielsweise:

  • Proteine zersetzen sich zeit- und temperaturabhängig – je höher die Temperatur, desto schneller zerfallen sie
  • Gel wird bei hohen Temperaturen flüssig

Im Vergleich zu Lebensmitteln verändern Arzneimittel bei falscher Temperatur typischerweise nicht ihren Geruch oder ihr optisches Erscheinungsbild. Sie verändern jedoch ihre Wirksamkeit und Effektivität. Die Überschreitung des Stabilitätsbudgets kann daher die Patientensicherheit beeinträchtigen.

Welche Arzneimittel sind temperaturempfindlich und müssen überwacht werden?

Gängige Vorschriften listen nicht alle temperatursensitiven Produkte im pharmazeutischen und medizinischen Bereich auf. Als die Kühlkette in den 1980er Jahren begann, bezog sich der Begriff «temperatursensitive Arzneimittel» typischerweise auf gekühlte Produkte wie Impfstoffe oder Biopharmazeutika. Hinzu kamen Blut und Blutprodukte sowie Forschungsmaterialien und menschliche Körperproben, die ebenfalls einer Temperaturüberwachung bedürfen. Seit der Überarbeitung der EU-GDP-Richtlinien im Jahr 2015 werden auch Wirkstoffe (API) und Produkte, die bei Raumtemperatur gelagert werden – wie kleine Moleküle oder rezeptfreie Arzneimittel – in den Bereich der temperaturgeführten Logistik einbezogen. Seit Inkrafttreten der neuen Medizinprodukteverordnung gelten auch Medizinprodukte, die einen pharmazeutischen Wirkstoff enthalten (z. B. beschichtete Implantate), als Teil der temperaturgeführten Logistik.

Qualifizierung und Mapping

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Temperaturdatenlogger 

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GMP & GDP Compliance

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Die pharmazeutische Lieferkette

Wie die meisten Lieferketten für industrielle Produkte ist die pharmazeutische Lieferkette komplex und besteht aus mehreren Schritten. Zudem unterscheidet sich die Lieferkette jedes Arzneimittels je nach Produktkomplexität und Herkunftsregion. Während teure Produkte wie gentechnisch hergestellte Arzneimittel typischerweise eine sehr kurze Lieferkette haben, weisen kostengünstige rezeptfreie Arzneimittel wie Aspirin eine deutlich komplexere Lieferkette mit vielen Zwischenschritten zwischen Herstellung und Patient auf. Gemeinsam ist allen pharmazeutischen Lieferketten die Unterscheidung zwischen dem Transport von Wirkstoffen (API) und fertig verpackten Produkten. 

In jüngster Zeit wird die Temperaturdatenüberwachung zunehmend auf die letzte Transportstrecke bis zur Apotheke oder sogar direkt zum Patienten ausgedehnt. Direct-to-Patient-Lieferungen (DtP) gewinnen an Bedeutung, insbesondere im Bereich klinischer Studien, aber auch bei personalisierten Arzneimitteln.

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Wie relevant ist Luftfeuchtigkeit für die pharmazeutische Lieferkette?

Luftfeuchtigkeit ist temperaturabhängig und beschreibt die Menge an Wasser in der Luft. In der pharmazeutischen Produktion ist die Luftfeuchtigkeit besonders relevant, solange das Produkt vor der Primärverpackung in offener Form vorliegt (z. B. als Flüssigkeit oder Pulver). Nach der Primärverpackung verliert die relative Luftfeuchtigkeit in der Regel ihre direkte Relevanz für die Patientensicherheit. Dennoch ist es üblich, die relative Luftfeuchtigkeit in Lagerräumen zu überwachen, um negative Auswirkungen auf Etiketten und Verpackungen (z. B. Papier, Karton) zu vermeiden. Bei den meisten Transporten ist jedoch lediglich die Temperatur der qualitätsrelevante Parameter. Datenlogger überwachen daher in der Regel nicht die Luftfeuchtigkeit im Transportbehälter.

Transportbedingungen versus Lagerbedingungen

Obwohl jedes pharmazeutische Produkt über ein individuelles Stabilitätsbudget verfügt, werden sie für Lagerung und Transport in standardisierte Temperaturbereiche gruppiert. Typische Lagerbedingungen sind: -196 °C, -80 °C, -20 °C, 2–8 °C und 15–25 °C. Bei Transporten werden die Bezeichnungen „Flüssigstickstoff“ (-196 °C), „Trockeneis“ (-78 °C), 2–8 °C und 15–25 °C verwendet. Die Lagerbedingung «Gefroren» (-20 °C) kommt beim Transport seltener vor, hauptsächlich aus zwei Gründen: Gefrorene Produkte sind meist nicht empfindlich gegenüber ultratiefen Temperaturen. Daher ist die Verwendung von Trockeneis kostengünstiger als der Einsatz komplexer Kompressionskühlung.

 

Das regulatorische Umfeld pharmazeutischer Unternehmen

 

Wenn ein Unternehmen pharmazeutische Produkte erforschen, herstellen, lagern, transportieren oder verkaufen möchte, unterliegt es gesetzlichen Vorschriften. Die Regelungen sind länderspezifisch und beinhalten in der Regel eine nationale oder internationale Behörde wie die FDA (USA), die EU (Europa) oder Swissmedic (Schweiz), koordiniert durch den ICH (Internationaler Rat zur Harmonisierung der technischen Anforderungen an Humanarzneimittel).

Neben offiziellen Vorschriften gibt es eine Reihe wichtiger Verbände, die Leitlinien herausgeben, die die Regeln ergänzen und auf spezifische Anwendungsfälle eingehen. Zu den einflussreichsten Organisationen im Bereich der pharmazeutischen Lieferkette zählen die ISPE (Internationale Gesellschaft für pharmazeutische Technik), die USP (United States Pharmacopeia), die PDA (Parenteral Drug Association) und die WHO (Weltgesundheitsorganisation). Der regulatorische Rahmen ist daher ein lebendiger Organismus, der sich fast täglich verändert, da ständig neue Gesetze in Kraft treten und neue Leitlinien veröffentlicht werden.

Neben den behördlichen Vorschriften gibt es eine Reihe wichtiger Verbände, die Leitfäden herausgeben, die die Vorschriften und deren Anwendung in bestimmten Situationen unterstützen und detaillieren. Einige der einflussreichsten Organisationen, die für die pharmazeutische Lieferkette relevant sind, sind die ISPE (International Society for Pharmaceutical Engineering), die USP (United States Pharmacopeia), die PDA (Parental Drug Association) und die WHO (Weltgesundheitsorganisation). Der Rechtsrahmen ist somit ein lebendiger Organismus, der sich fast täglich ändert, wenn neue Gesetze in Kraft treten und neue Leitfäden veröffentlicht werden.

GMP GDP

GMP versus GDP – Was sind die Unterschiede?

Aus Sicht der Arzneimittelversorgungskette sind die Eckpfeiler des Rechtsrahmens das Good Manufacturing Practice System (GMP) und das Good Distribution Practice System (GDP) - oder oft gemeinsam als GxP bezeichnet.

Während sich GMP auf Aktivitäten rund um die Herstellung von Medikamenten (einschließlich Prüfung, Freigabe und Lagerung) konzentriert, konzentriert sich GDP auf den Vertrieb von Medikamenten einschließlich Transport, Lagerung und Großhandel von Arzneimitteln. Sowohl GMP als auch GDP zielen darauf ab, die öffentliche Gesundheit durch die Sicherstellung der Produktqualität zu verbessern. 

Aus Sicht der Arzneimittel-Lieferkette bilden die «Guten Herstellungspraxis» (GMP) und die «Gute Vertriebspraxis» (GDP) – oft gemeinsam als GxP bezeichnet – die Eckpfeiler des regulatorischen Rahmens. Während sich GMP auf Herstellungsaktivitäten (einschliesslich Prüfung, Freigabe und Lagerung) konzentriert, liegt der Schwerpunkt von GDP auf der Distribution, einschliesslich Transport, Lagerung und Grosshandel. Sowohl GMP als auch GDP zielen darauf ab, die öffentliche Gesundheit zu schützen, indem sie die Produktqualität sicherstellen.

Während sich GMP auf Aktivitäten rund um die Herstellung von Medikamenten (einschließlich Prüfung, Freigabe und Lagerung) konzentriert, konzentriert sich GDP auf den Vertrieb von Medikamenten einschließlich Transport, Lagerung und Großhandel von Arzneimitteln. Sowohl GMP als auch GDP zielen darauf ab, die öffentliche Gesundheit durch die Sicherstellung der Produktqualität zu verbessern. 

Compliance im Kontext der pharmazeutischen Lieferkette

Zusammenfassend: Wenn Sie pharmazeutische Produkte lagern oder transportieren und den GMP- und GDP-Richtlinien entsprechen möchten, müssen Sie:

  • Ihre Produkte in qualifizierten Einrichtungen herstellen, handhaben, lagern und transportieren
  • die Temperaturen mittels eines konformen Überwachungssystems überwachen (mit Audit-Trail)
  • die Sensoren regelmässig kalibrieren

Dies gilt auch für den Transport, wobei der Fokus stärker auf den Anforderungen an Fahrzeugflotten, Container, Boxen und Einwegausrüstung liegt.

Alles zu Temperaturüberwachungslösungen mit Datenloggern

Die Geschichte des Monitorings begann vor über 30 Jahren mit autonomen Temperaturdatenloggern – wie beispielsweise dem legendären HAMSTER von ELPRO. Angetrieben durch eine Batterie erfasste das Gerät Temperatur- und Feuchtigkeitswerte und konnte seinen internen Speicher über eine Schnittstelle an eine Analyse-Software übertragen. Da die autonomen Temperaturdatenlogger den HACCP-Standards (Hazard Analysis and Critical Control Point) entsprachen, wurden sie zunächst in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie im Bereich Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HVAC) eingesetzt. Kurz darauf begann auch die pharmazeutische Industrie, Kühlschränke und Kühlräume zu überwachen. Temperaturdatenlogger wurden zunächst in Laboren und Produktionsstätten eingesetzt, später folgten Lager- und Transporteinrichtungen.

Wichtige Funktionen von Temperaturüberwachungssystemen?

Ein Überwachungssystem besteht typischerweise aus einem Sensor, der in definierten Intervallen Temperatur- oder andere Umgebungsdaten misst. Der Sensor überträgt die Werte kabelgebunden oder drahtlos an einen Datenlogger, der als Kommunikationsbrücke fungiert. Die Software sammelt die Werte in Echtzeit, um folgende Funktionen auszuführen:

Auswertung der Daten
Auslösung von Warnungen und Alarmen
Unterstützung bei Bewertung und Bestätigung
Erstellung regelmässiger Berichte
Archivierung der Daten

  • Auswertung der Daten
  • Auslösung von Warnungen und Alarmen
  • Evaluierung und Anerkennung der Daten
  • Regelmässige Berichterstattung
  • Archivierung der Daten
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Unterschiede zwischen Gebäudeleitsystemen und Temperaturüberwachungssystemen?

In Produktionsumgebungen und vielen Lagern sind moderne Gebäudeleitsysteme (Building Management Systems, BMS) installiert, die Temperatur und Umgebungsdaten wie Luftfeuchtigkeit erfassen und Steuerbefehle an die Klimaanlage geben. Worin liegt der Unterschied zu einem unabhängigen Überwachungssystem? Im Gegensatz zu Gebäudeleitsystemen verfügen Überwachungssysteme über keine Regelkreise, sondern sind vollständig unabhängig von Steuermechanismen. Diese validierte Unabhängigkeit ist eine wichtige Anforderung aller GxP-Richtlinien.

Parameter und Sensoren

Forschung, Produktion, Prüfung und Abfüllung pharmazeutischer Produkte erfolgen oft in Reinräumen, in denen verschiedene Umgebungsparameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Druck, Differenzdruck, CO₂ und Partikel eine wichtige Rolle für die Produktqualität spielen. Überwachungslösungen müssen daher in der Lage sein, alle Arten von Parametern zu erfassen, auszuwerten und anzuzeigen. Sobald ein Produkt in eine Flasche, Blister, Ampulle oder Spritze abgefüllt ist, ist Temperatur der einzige relevante Umgebungsparameter für die Produktqualität.

Platzierung der Sensoren

Die GMP- und GDP-Richtlinien verlangen die Qualifizierung der Lagerstätte, des Kühlschranks oder der Transportbox. Der wichtigste Teil der Qualifizierung ist der thermische Mapping-Prozess, bei dem die wärmsten und kältesten Stellen identifiziert werden. Abhängig von der jeweiligen Situation und den Anforderungen werden geeignete Sensoren ausgewählt und platziert. Je nach Szenario kann eine Kombination aus kabelgebundenen Sensoren (z. B. für 4–20 mA-Sender) und drahtlosen Sensoren (z. B. für Temperatur und Luftfeuchtigkeit) gewählt werden.

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Factsheet

Merkblatt über Funksensoren 

Laden Sie unser Merkblatt herunter mit allem, was Sie über den Einsatz von drahtlosen Sensoren zur Temperaturüberwachung wissen müssen. 

HERUNTERLADEN

Temperaturmesstechniken

Um Temperaturmessungen elektronisch durchzuführen, stehen verschiedene Messtechniken zur Verfügung, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben.

Thermoelemente (Thermocouples)

  • Physikalisches Prinzip: Zwei unterschiedliche elektrische Leiter (Bi-Metall), deren Widerstand sich mit der Temperatur ändert.
  • Typischer Einsatz: Extreme Temperaturen (Stahl- und Eisenindustrie)
  • Vorteile: Geringste Kosten
  • Nachteile: Langzeitdrift

Negativer Temperaturkoeffizient (NTC)

  • Physikalisches Prinzip: Widerstand sinkt mit steigender Temperatur
  • Typischer Einsatz: -30 °C bis +70 °C in internen oder externen Sensoren
  • Vorteile: Geringe Kosten und Energieverbrauch, sehr stabil über die Zeit
  • Nachteile: Begrenzter Temperaturbereich je Typ

Digitaler Sensor

  • Physikalisches Prinzip: Elektronischer Mikrochip, der einen digitalen Temperaturwert misst und ausgibt
  • Typischer Einsatz: -30 °C bis +70 °C in internen Sensoren
  • Vorteile: Geringe Kosten und Energieverbrauch, sehr stabil über die Zeit
  • Nachteile: Begrenzter Temperaturbereich je Typ, nur für interne Sensoren

Positiver Temperaturkoeffizient (PTC)

  • Physikalisches Prinzip: Widerstand steigt mit steigender Temperatur
  • Typischer Einsatz: -200 °C bis +200 °C in externen Sensoren
  • Vorteile: Hohe Genauigkeit, sehr stabil über die Zeit, großer Messbereich
  • Nachteile: Hohe Kosten

Thermische Reaktionszeit

In einer Lagerstätte (z. B. einem Kühlschrank) ändert sich die Lufttemperatur schnell durch Öffnen und Schliessen der Tür. Die thermische Reaktionszeit (Tau90) misst die Zeit, die benötigt wird, um 90 % der Temperaturänderung auszugleichen. Wenn beispielsweise die Tür eines Kühlschranks (5 °C) geöffnet wird, dauert es lange, bis sich die Temperatur an die Umgebungstemperatur (20 °C) anpasst. Da Temperatursensoren eine sehr geringe thermische Masse haben, reagieren sie sofort. Pharmazeutische Produkte sind jedoch normalerweise gut verpackt oder haben eine hohe thermische Masse, sodass sich die Kerntemperatur deutlich langsamer anpasst. Dieser Effekt wird als thermische Reaktionszeit bezeichnet. Abhängig von der thermischen Masse des Produkts und der Verpackung kann dies zwischen 15 Minuten und mehr als einer Stunde betragen. Um diesen Effekt zu simulieren, werden thermische Dämpfer (z. B. Glykolflaschen) oder elektronische Dämpfungsmechanismen eingesetzt.

   

Technologien der Feuchtigkeitsmessung

Die Luftfeuchtigkeit ist abhängig von der Temperatur. Die relative Luftfeuchtigkeit ist eine Funktion der Umgebungstemperatur und des Wasserdampfdrucks in der Luft. Feuchtigkeitssensoren nutzen die Abhängigkeit zwischen relativer Luftfeuchtigkeit und der Feuchtigkeitsmenge im Sensor als physikalisches Messprinzip. Für die elektronische Messung stehen zwei Technologien zur Verfügung – jeweils mit Vor- und Nachteilen:

Konduktiv (elektrolytisch)

  • Physikalisches Prinzip: Röhrchen, deren Kapillarhöhe sich mit der relativen Luftfeuchtigkeit ändert, wodurch die Leitfähigkeit des Elektrolyten variiert
  • Typischer Einsatz: Inkubatoren mit hoher Luftfeuchtigkeit, Reinräume (aufgrund hoher Genauigkeit und geringer Verstopfungsanfälligkeit*)
  • Vorteile: Sehr hohe Genauigkeit zwischen 5 und 95 % rH (relative Luftfeuchtigkeit), gute Genauigkeit auch bei hoher Feuchtigkeit (>95 % rH), weniger anfällig für Verstopfung des Sensors (durch Luftverschmutzung), geringer Langzeitdrift
  • Nachteile: Komplexe Konstruktion mit vielen Fertigungsschritten (daher teuer), empfindlich gegenüber Stößen und Vibrationen (aufgrund der Kapillarröhrchen)

Kapazitiv

  • Physikalisches Prinzip: Plattenkondensator, dessen Kapazität sich mit der relativen Luftfeuchtigkeit ändert
  • Typischer Einsatz: Lagerhallen und Lagerräume, Lkw, Transportboxen und Container
  • Vorteile: Hohe Genauigkeit zwischen 5 und 95 % rH (relative Luftfeuchtigkeit), einfach und kostengünstig herzustellen (niedriger Preis), unempfindlich gegenüber Vibrationen und Stößen (auch für Transportüberwachung geeignet)
  • Nachteile: Anfälliger für Verstopfung des Sensors (durch Luftverschmutzung), geringer Langzeitdrift, je nach Umgebung möglicherweise jährlicher Sensorwechsel erforderlich

 

* Reinräume haben per Definition sehr saubere Luft mit wenigen Partikeln. Sie werden jedoch regelmäßig mit verschiedenen Desinfektionsgasen behandelt, die zu einer Verstopfung des Feuchtigkeitssensors führen können (was zu Drift = Abnahme der Messgenauigkeit über die Zeit führt).

 

Risikomanagement in der pharmazeutischen Temperaturüberwachung

Ein effektives Risikomanagement ist eine zentrale Säule jeder robusten Temperaturüberwachungsstrategie im pharmazeutischen Bereich. Regelwerke wie GMP und GDP verlangen von Unternehmen, dass sie Schwachstellen entlang der Lieferkette – von der Herstellung bis zur Endlieferung – proaktiv identifizieren und beheben.

  • Identifizierung kritischer Kontrollpunkte: Temperaturabweichungen treten am ehesten an bestimmten Stellen der Lieferkette auf – wie beim Be- und Entladen, beim Umschlag im Transport oder in Bereichen eines Lagers mit bekannter thermischer Variabilität. Die Identifizierung dieser kritischen Kontrollpunkte (CCPs) ermöglicht es Unternehmen, Überwachungsressourcen gezielt einzusetzen und das Risiko von Produktverlusten zu minimieren.
  • Einführung von Überwachungsstrategien: Sobald CCPs identifiziert sind, können gezielte Überwachungsstrategien implementiert werden, um das Risiko von Qualitätsausfällen zu verringern. Dazu gehören die Auswahl geeigneter Sensorpositionen, die Definition von Messintervallen und die Festlegung von Eskalationsprotokollen bei Abweichungen.
  • Dokumentation und Korrekturmassnahmen: Bei einer Temperaturabweichung sind dokumentierte Korrektur- und Vorbeugemassnahmen (CAPA) für die regulatorische Konformität unerlässlich. Ein konformes Temperaturüberwachungssystem sollte strukturierte Abweichungsabläufe unterstützen, sodass jede Abweichung erfasst, bewertet und mit nachvollziehbarem Audit-Trail behoben wird.

 

Datenintegrität und Dokumentation in der Temperaturüberwachung

Datenintegrität ist eine grundlegende Erwartung der Aufsichtsbehörden wie der FDA und der EU-Behörden. Für pharmazeutische Unternehmen bedeutet dies, dass alle Temperaturüberwachungsdaten genau, vollständig, konsistent und rückverfolgbar über den gesamten Produktlebenszyklus sein müssen.

  • Sichere Datenaufzeichnung und Rückverfolgbarkeit: Temperaturüberwachungssysteme müssen Daten so erfassen und speichern, dass unbefugte Änderungen verhindert werden. Elektronische Aufzeichnungen müssen zeitgestempelt, nutzerbezogen und in einer sicheren Umgebung gespeichert werden, um die Rückverfolgbarkeit vom Sensor bis zum Bericht zu gewährleisten.
  • Automatisierte Berichterstellung und Audit-Trail: Moderne Überwachungsplattformen unterstützen die automatische Erstellung von Berichten und führen umfassende Audit-Trail-Protokolle, in denen jede Systemaktion, Nutzerinteraktion und Alarmmeldung erfasst wird. Dies reduziert erheblich den administrativen Aufwand bei Inspektionen und regulatorischen Audits und belegt den Zustand der Kontrolle.
  • Regulatorische Erwartungen und Qualitätsstandards: Anforderungen zur Datenintegrität sind in Leitlinien der FDA, EMA, WHO und MHRA festgelegt. Konforme Systeme müssen den ALCOA+-Prinzipien (Attributierbar, Lesbar, Zeitnah, Ursprünglich, Korrekt – sowie Vollständig, Konsistent, Dauerhaft und Verfügbar) entsprechen, um sicherzustellen, dass die Daten jederzeit prüfbereit sind.

 


Best Practices für die Implementierung von Temperaturüberwachungssystemen

Die Auswahl und Implementierung des richtigen Temperaturüberwachungssystems für pharmazeutische Produkte erfordert sorgfältige Planung in technischer, operativer und konformitätsbezogener Hinsicht. Die folgenden Best Practices unterstützen Unternehmen beim Aufbau einer zuverlässigen, skalierbaren und audit-sicheren Überwachungsinfrastruktur.

  • Auswahl geeigneter Sensoren, Datenlogger und Technologien: Die Wahl von Sensor- und Datenloggertechnologie sollte vom jeweiligen Überwachungsumfeld abhängen – sei es ein kontrolliertes Lager, ein Kühlraum, ein Kühlschrank oder ein Transportcontainer. Wie oben dargestellt, bieten verschiedene Sensortechnologien (NTC, PTC, digital) unterschiedliche Kompromisse hinsichtlich Genauigkeit, Temperaturbereich und Kosten. Drahtlose Lösungen bieten zusätzliche Flexibilität, insbesondere in großen Lagern oder komplexen Distributionsnetzwerken.
  • Festlegung von Alarmgrenzwerten und Reaktionsverfahren: Klar definierte Alarmgrenzwerte sollten auf Basis der Stabilitätsprofile der gelagerten oder transportierten Produkte festgelegt werden. Reaktionsverfahren müssen festlegen, wer informiert wird, innerhalb welcher Frist und welche Massnahmen bei einer Temperaturabweichung ergriffen werden müssen. Diese Verfahren sollten dokumentiert und regelmässig getestet werden, um die betriebliche Einsatzbereitschaft sicherzustellen.
  • Regelmässige Kalibrierung und Systemwartung: Die Kalibrierung der Sensoren in festgelegten Intervallen ist eine verpflichtende Anforderung gemäss GMP- und GDP-Richtlinien. Ein gut gewartetes Überwachungssystem gewährleistet nicht nur Messgenauigkeit, sondern unterstützt auch die kontinuierliche GxP-Konformität. Wartungspläne sollten dokumentiert und nachvollziehbar sein und Teil des umfassenden Qualitätsmanagementsystems bilden.


Temperaturüberwachung im pharmazeutischen Lager

Die Temperaturüberwachung im pharmazeutischen Lager ist eine der kritischsten Anwendungen der Umgebungsüberwachung im Bereich Life Sciences. Lager, die Arzneimittel lagern, müssen jederzeit definierte Temperaturbedingungen einhalten, und jede Abweichung muss erkannt, dokumentiert und unverzüglich behandelt werden.

Eine effektive Lagerüberwachung umfasst typischerweise ein Netzwerk fester Sensoren an validierten Positionen, die durch thermisches Mapping identifiziert wurden. Diese Sensoren übertragen Daten in Echtzeit an eine zentrale Überwachungsplattform, was eine kontinuierliche Überwachung und automatische Alarmierung ermöglicht. Bei großen oder mehrzonalen Einrichtungen helfen zonenspezifische Überwachungsstrategien, alle Bereiche angemessen abzudecken.

GxP-konforme Lagerüberwachungssysteme müssen die Qualifizierungsdokumentation unterstützen, einschließlich der Installation Qualifizierung (IQ), Betriebsqualifizierung (OQ) und Leistungsqualifizierung (PQ), um sicherzustellen, dass das System wie vorgesehen in seiner Betriebsumgebung funktioniert.

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