Wie können Pharmaunternehmen Produktfreigaben beschleunigen und gleichzeitig Compliance-Risiken reduzieren?
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Autor: ELPRO-BUCHS AG Veröffentlicht: Juli 2026
Pharma- und Life-Sciences-Unternehmen können die Produktfreigabe beschleunigen und Compliance-Risiken reduzieren, indem sie Temperaturdaten während Lagerung und Transport in einer produktbezogenen Sicht zusammenführen. Dieser Ansatz ermöglicht es Qualitätsteams, individuelle Stabilitätsbudgets zu verfolgen, Freigabeentscheidungen zu automatisieren, Quarantänezeiten zu verkürzen, Produktverluste zu vermeiden und die Transparenz entlang der gesamten Lieferkette zu erhöhen. In einem Interview mit Pharmaceutical Commerce erläutert Christoph Bamert, Chief Sales Officer bei ELPRO, warum datenbasierte Entscheidungen heute eine wichtige Grundlage für mehr Effizienz, Qualität und Patientensicherheit in der Pharmalogistik sind.
Die wichtigsten Punkte im Überblick
Stationäre Daten und solche aus dem Transport zu einer vollständigen, produktbezogenen Sicht zusammenführen
Quarantänezeiten verkürzen und Freigaben beschleunigen
Umgebungstemperatur überwachen, um Risiken auf Transportwegen und Verzögerungen zu erkennen
Effizienz, Compliance, Qualität und Patientensicherheit durch datenbasierte Prozesse verbessern
Weshalb verlangsamen klassische Freigabeprozesse die pharmazeutische Lieferkette?
Die Pharmaindustrie steht seit jeher vor unterschiedlichen Anforderungen: Produkte müssen schnell verfügbar sein – bei gleichzeitig hohen Anforderungen an Qualität, Compliance und Patientensicherheit. Mit der zunehmenden Globalisierung der Lieferketten und der wachsenden Komplexität der Produktportfolios stossen klassische Monitoring-Ansätze jedoch an Grenzen.
In vielen Unternehmen basieren Freigabeentscheidungen weiterhin auf einzelnen Temperaturaufzeichnungen und der Prüfung von Alarmen bei Grenzwertüberschreitungen. Dieser Ansatz hat sich grundsätzlich bewährt, führt aber häufig zu Verzögerungen im operativen Ablauf.
Wird bei einer Sendung ein Temperaturalarm ausgelöst, wird sie oft für Tage oder Wochen unter Quarantäne gestellt, während geprüft wird, ob die Produktqualität tatsächlich beeinträchtigt ist. In vielen Fällen ist das Produkt weiterhin verwendbar – der Nachweis bindet jedoch Zeit und Ressourcen.
Die Folge: längere Freigabezyklen, mehr Verluste, höhere Kosten und mögliche Verzögerungen bei der Auslieferung wichtiger Medikamente.
Laut Christoph Bamert, Chief Sales Officer bei ELPRO, entwickelt sich die Branche in Richtung eines datenbasierten Ansatzes, bei dem die vollständige Produkthistorie und nicht mehr nur einzelne Alarme die Grundlage für Freigabeentscheidungen bildet.
«Die Verknüpfung von Daten aus stationärem und Transport-Monitoring kann die Produktfreigabe beschleunigen und Produktverluste reduzieren. »
Christoph Bamert, Chief Sales Officer, ELPRO
Weshalb reicht Temperaturüberwachung allein nicht mehr aus?
Temperaturdaten allein zeigen nur einen Teil des Gesamtbildes. Auf dem Weg eines Produkts werden Daten an unterschiedlichen Stellen erfasst – in der Produktion, in Lagern, in Distributionszentren, bei Transportdienstleistern und in der weiteren Versorgungskette. In vielen Organisationen sind diese Daten nicht miteinander verknüpft.
Diese Fragmentierung erschwert die Arbeit der Qualitätsteams. Vor einer Freigabe müssen Daten aus verschiedenen Systemen zusammengetragen, manuell geprüft und bewertet werden.
Das eigentliche Problem ist also nicht ein Mangel an Daten, sondern die fehlende Zusammenführung.
Moderne Lieferketten benötigen eine durchgängige Sicht, die stationäre und Transport-Daten miteinander verbindet und so die gesamte Umgebungshistorie eines Produkts – von der Herstellung bis zur Auslieferung – abbildet.
Werden diese Datenströme in einem zentralen, produktbezogenen Datensatz zusammengeführt, entsteht die Grundlage für schnellere und fundierte Entscheidungen.
«Werden Temperatur- und Stabilitätsdaten zusammengeführt, entsteht eine einheitliche, produktbezogene Sicht.»
Christoph Bamert, Chief Sales Officer, ELPRO
Was sind Stabilitätsbudgets – und weshalb sind sie relevant?
Bisher wurden in der Regel Alarmgrenzen des empfindlichsten Produkts innerhalb einer Sendung festgelegt. Wurden diese überschritten, folgte eine Untersuchung.
Aus Compliance-Sicht ist dieses Vorgehen sinnvoll, behandelt jedoch unterschiedliche Produkte gleich – obwohl sie teilweise sehr unterschiedliche Stabilitätsprofile aufweisen.
Der Stabilitätsbudget-Ansatz verfolgt eine komplett andere Logik und ermöglicht es, zu bewerten, wie viel des zugelassenen Stabilitätsprofils im Verlauf der Lieferkette tatsächlich beansprucht wurde.
Vorteile:
Schnellere Freigabeentscheidungen
Weniger manuelle Untersuchungen
Niedrigere Quarantänequoten
Weniger Produktverluste
Höhere Effizienz im operativen Ablauf
Wenn nachvollziehbar ist, wie ein Produkt entlang seines Weges Umgebungsbedingungen ausgesetzt war, lassen sich Freigabeentscheidungen fundierter treffen – bei gleichzeitiger Einhaltung der Compliance-Vorgaben. Zudem unterstützt dies die Bewertung und Optimierung passender Verpackungslösungen und Servicelevels.
«Die Verfolgung des individuellen Stabilitätsbudgets eines Produkts anstelle von einheitlichen Alarmgrenzen, beschleunigt Freigabeprozesse und reduziert unnötige Quarantänezeiten.»
Christoph Bamert, Chief Sales Officer, ELPRO
Wie verbessert End-to-End-Visibilität die pharmazeutische Lieferkette?
End-to-End-Visibilität entlang der Lieferkette gewinnt in der modernen Pharmadistribution an Bedeutung.
Jede Sendung durchläuft mehrere Übergaben, Transportarten, Lagerorte und Umgebungsbedingungen. Fehlt die Transparenz an einzelnen Stellen, können Qualitäts- und Logistikteams häufig erst reagieren, wenn Abweichungen bereits aufgetreten sind.
Wie kann die Überwachung der Umgebungstemperatur die Kühlkette verbessern?
Ein Ansatz, den Christoph Bamert besonders hervorhebt, ist die Überwachung der Umgebungstemperatur ausserhalb passiver Verpackungen.
Viele Unternehmen messen ausschliesslich die Temperaturen im Inneren der Transportbehälter. Dieser Ansatz ist wichtig, lässt jedoch wesentliche Informationen zu den realen Transportbedingungen aus.
Die Messung der Umgebungstemperatur ausserhalb der passiven Verpackung liefert zusätzliche Einblicke in den Verlauf des Transports.
Unternehmen können diese Informationen folgendermassen nutzen:
Identifikation risikoreicher Transportstrecken
Bewertung der Leistung und Servicelevels der Transportdienstleister
Nachweis kontrollierter Umgebungsbedingungen
Optimierung von Verpackungskonzepten
Unterstützung des Risikomanagements
Im Laufe der Zeit liefern diese Daten eine Grundlage, um Verpackungen und Transportwege auf Basis tatsächlicher Werte – statt auf Basis von Annahmen – weiterzuentwickeln.
«Die Überwachung der Umgebungstemperatur hat sich als hilfreiches Instrument erwiesen, um Risiken auf Transportstrecken zu identifizieren und die Einhaltung kontrollierter Bedingungen nachzuweisen.»
Christoph Bamert, Chief Sales Officer, ELPRO
Mit zunehmender Komplexität der Lieferketten gewinnen diese zusätzlichen Datenquellen an Bedeutung – sowohl für die Produktqualität als auch für die operative Effizienz.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist ein Stabilitätsbudget in der Pharmalogistik?
Ein Stabilitätsbudget beschreibt, wie stark ein pharmazeutisches Produkt durch Umgebungseinflüsse beansprucht werden darf, ohne die zugelassenen Qualitätsspezifikationen zu verlassen. Die Verfolgung des Stabilitätsbudgets ermöglicht wissenschaftlich fundierte Freigabeentscheidungen.
Wie verbessert eine produktbezogene Sicht die Freigabe?
Eine produktbezogene Sicht fasst Daten eines einzelnen Produkts aus Produktion, Lagerung und Transport in einem Datensatz zusammen. So können Freigaben schneller und genauer erfolgen.
Weshalb ist die Überwachung der Umgebungstemperatur relevant?
Sie unterstützt die Identifikation von Risiken auf Transportstrecken, die Erkennung von Verzögerungen, die Überprüfung der Transportbedingungen und die Optimierung der Logistikabläufe.
Wie können Pharmaunternehmen Compliance-Risiken reduzieren?
Durch integrierte Monitoring-Systeme, vollständige Produkthistorien, die Verfolgung individueller Stabilitätsbudgets und datenbasierte Qualitätsprozesse.